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Gemeinsam sind wir stark

fresh-Südhessen für junge Schwule und Lesben

Mit "fresh", der "Jugend-Offensive 2006", startete der LSVD vor gut zwei Jahren ein bundesweites Programm für schwule, lesbische und bisexuelle Jugendliche von 16 bis 27 Jahren - zum einen, um die Jugendarbeit Im Verband auszubauen, zum anderen aber auch um Angebote In Regionen zu schaffen, die wenig Anlaufstellen für Homo-Jugendllche bieten. Insgesamt sechs Regionalgruppen entstanden, darunter auch fresh-Südhessen, die Im September einjähriges Bestehen feierte, dass auch In Zeiten von virtuellen Chatrooms ein regelmäßiger Treff an einem realen Ort wichtig Ist, zeigt der Erfolg der Gruppe. Wir trafen den fresh-Südhessen-Leiter Kevin (20) zum Gespräch.

gab Magazin: Wie bist du dazu gekommen, die Jugendgruppe zu gründen?
Kevin: Ich lebe und arbeite gerne in Groß-Umstadt, aber da gibt's nichts für junge Schwule, außer im Internet und in TV-Serien. Als ich mit 16 erkannte, dass ich homosexuell bin, fühlte ich mich wie der einzige Schwule in meinem hetero sexuellen "Dorf". Ohne Führerschein, Auto und Geld konnte ich nicht einfach in die Großstadt fahren, um andere Schwule kennen zu lernen. Beim CSD Frankfurt 2005 erkundigte ich mich erstmals beim LSVD Hessen nach Angeboten für Jugendliche. Der LSVD unterstützte meine Idee, eine Gruppe für junge Schwule in meiner Region zu gründen.

gab Magazin: Wie ging's dann weiter?
Kevin: Ich wurde Mitglied im LSVD und "Azubi" im Landesvorstand. So konnte ich andere Jugendliche treffen und lernte, wie man eine Gruppe aufbaut. Bei der Suche nach einem Ort für die neue Gruppe bin ich schließlich in der Rainbows-Bar in Darmstadt gelandet. Wir haben fleißig Flyer verteilt und zum ersten fresh-Treffen im September 2007 kamen schon zehn Jugendliche. Die meisten aus Darmstadt, ein paar aus dem Umland bis Aschaffenburg. Meist sind wir 10 Jungs und Mädchen. Auch Heterofreunde sind dabei. Wir grenzen niemanden aus!

gab Magazin: Wie schauen die Treffen aus?
Kevin: Der fresh-Treff ist wie ein Stammtisch, wir sprechen über das, was uns berührt und bewegt. Es ist locker und lustig. Man kann Freunde und Freundinnen finden. Hintergründiges gibt's auch: Infos, Aufklärung und Coming-Out Beratung. Es ist schön, wenn man mit "echten" Menschen mit den gleichen Gefühlen und ähnlichen Problemen zusammen ist und sich so unter stützen kann. Der monatliche Treff ist auch Ausgangspunkt für gemeinsame Freizeitaktionen. Zum Einjährigen gab's ein Grill fest mit anschließendem Besuch des Weinfests in Groß-Umstadt. So was ist ganz wichtig: gemeinsam als Gruppe dabei zu sein und sich nicht allein zu fühlen. Der Höhepunkt war der CSD Frankfurt 2008: wir sind bei der Parade mit gelaufen und haben das LSVD Banner "Keine halben Sachen" getragen. Für fast alle war es der erste CSD und hat das fresh-Südhessen einen Schub und Stärke gegeben.

gab Magazin: Gibt's konkrete Zukunftspläne?
Kevin: Im Oktober machen wir in der "Queer"-Bar eine kleine Party mit Karaoke und Musik. Bei der Queer-Filmwoche im Kommunalen Kino Weiterstadt sind wir dabei und werden bei der Film party am 2.11. im Schlosskeller erstmals in Darmstadt öffentlich auftreten. Wir wünschen uns mehr Kontakt zu anderen Jugendgruppen wie zur Junglesbengruppe "Susanna" in Darmstadt, "4every one" und zu "Our Generation" in Frankfurt. Ein Netzwerk der Jugendgruppen wäre sinnvoll. Wir begrüßen es, wenn es bald ein schwul-lesbisches Jugendzentrum in Frankfurt gäbe. Andere Bundesländer und Städte sind bei der Förderung und Fortbildung von Jugendgruppen für Lesben und Schwule viel weiter. (bjö)

Interview mit der Gab, Ausgabe Oktober 2008

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