Das innere Coming-Out
Wie alles begann
Als ich merkte, dass ich schwul bin, war ich mitte 16. Vorher hatte ich keine Ahnung, dass ich nicht auf Frauen stehe. Frauen zogen mich nie an. Zwar hatte ich mit ende 15 / anfang 16 für 4 Monate lang eine Freundin, allerdings lief Sexuell nichts in der Beziehung. Generell bemerkte ich nach und nach, dass ich eher Jungs musterte. Sie beobachtete. Eines nachts träumte ich von einen Typen. Jemanden aus meiner Klasse, mit dem ich eigentlich keine Verbindung hatte. Wir küssten uns. Erschrocken wachte ich auf und fragte mich was das war. Nichts weiter dabei gedacht schlief ich weiter.
Derweil freundete ich mich mit einem anderen Neuankömmling in unserer Klasse an. Wir wurden mit der Zeit die besten Freunde. Zu dieser Zeit hatte ich noch die o.g. Freundin. Doch im Winter passierte etwas. Ich hatte den Drang ihn unbedingt wieder zu sehen, als ich mich im Urlaub befand. Mein Herz raste jedes mal wenn ich mit ihm telefonierte, ich musste immer an ihn denken. Wie es der Zufall wollte, sah ich im Januar 2004 das erste mal Anders-Trend. Ich dachte mir erst, was das ist, wie geht das, dass sich zwei Jungs küssten, Händchen halten. Abgeneigt oder angewidert war ich davon nicht, sondern eher interessiert. Hatte aber immer noch nicht wirklich geklaubt, dass ich auch so bin.
Nun, als ich aus dem Urlaub zurück kam und meinen besten Freund wieder sah, hatte ich immer das verlangen ihn zu berühren, gar zu küssen. Eines Tages fragte er mich: „sag mal kann es sein, dass du schwul bist“? Angesäuert verneinte ich und dampfte einerseits verärgert ab, anderseits doch nachdenkglich. Was hatte das zu bedeuten? Was heißt schwul sein? Ich suchte im Internet nach Antworten. Fand auch recht schnell, welche meine Situation zu den Gefühlen der Jungs klar machte. Ich lass über das Coming-Out, deren Phasen wie man sich selbst findet. Nun ging mir endlich das Licht auf und dachte: „verdammt, das trifft ja genau auf mich zu, also wusste ich, ich bin schwul!“