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Mit der Erkenntnis, lesbisch zu sein, und nach einem Outing bei meinen Freunden zog ich nach Darmstadt zum Studieren. Hier gab es, ganz im Gegensatz zu der Stadt in der ich vorher wohnte, eine lesbischwule Jugendgruppe. Ich hatte bevor ich herzog schon an sie geschrieben, aber keine Antwort erhalten. Wer hätte auch ahnen können, dass ich mir aus den Ansprechpartnern genau den raussuche, der gerade nicht in Darmstadt ist?! Nach ein paar Überlegungen ob ich denn schon von Anfang an nicht gemocht werde oder das einfach alles Idioten sind oder derjenige gerade im Urlaub ist, entschied ich mich, dann doch an die allgemeine Adresse zu schreiben und bekam auch prompt eine Antwort, wann der nächste Stammtisch sei und eine Wegbeschreibung, sowie das Angebot abgeholt zu werden.
Als es dann endlich soweit war, fuhr ich mit dem Bus in Richtung Havanna. Ich war die ganze Busfahrt über angespannt und mir schossen lauter Fragen durch den Kopf: Was, wenn die alle doof sind? Was, wenn die mich alle nicht mögen? Was, wenn ich die nicht finde? Oder viel schlimmer, sie finde und lieber nicht gefunden hätte? Viel zu schnell war die Busfahrt vorbei und ich ging langsamen Schrittes zum Havanna. Ich war ungefähr fünf Minuten zu früh da, was aber ganz gut war, da ich im ersten Augenblick zehn Schritte vom Havanna entfernt wieder umdrehte und in Richtung Bushaltestelle lief. Aber wenn ich es jetzt schon fast bis dahin geschafft hatte, dachte ich, dann konnte ich es mir ja wenigstens mal angucken. Also ging ich rein und meine innere Anspannung wuchs noch mehr. Im ersten Moment hatte ich niemanden gesehen, der aussah wie auf den Fotos und ging auf die Toilette um mich zu beruhigen. Die Fragen von der Busfahrt gingen mir wieder durch den Kopf und ich bereute ein bisschen, nicht das Angebot angenommen zu haben, abgeholt zu werden. Aber wenn man ja schon mal da ist... Und notfalls könnte ich ja immer noch gehen. Also ging ich mich weiter umschauen und versteckt hinter einer kleinen Mauer fand ich einen Tisch mit Leuten die so aussahen, wie die auf den Fotos und es stand ein Flyergebilde von fresh-Südhessen auf dem Tisch. Na dann erstmal begrüßen. Alle waren echt nett zu mir und nach einer kurzen Vorstellungsrunde fiel dann auch langsam die Anspannung von mir ab. Es wurde ein angenehmer, lustiger Abend, der irgendwann ins Queer wechselte. Als ich nachts bzw. morgens wieder nach Hause fuhr, fühlte ich mich gut und war froh den Mut gefunden zu haben, doch hinzugehen.